Home | Kontakt | Impressum

Lager

Das Lager als "Verräumlichung des Ausnahmezustands" war ein Paradigma des 20. Jahrhunderts. Vernichtungsabsicht und Willkürherrschaft waren genuine Merkmale totalitärer Konzentrationslager. Flüchtlings- und Durchgangslager im Nachkriegsdeutschland hingegen boten erste Stationen des Überlebens.

Die Umnutzung von bestehenden Lagern im Nachkriegsdeutschland war der logistischen Notwendigkeit geschuldet. Viele Flüchtlingslager hatten vor 1945 als Lager für Zwangsarbeiter, als KZ-Außenlager oder Straflager, dann zur Internierung von Nationalsozialisten gedient. So wurden z.B. ganze Werksgelände der Dynamit AG in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern samt Bunkeranlagen nun zu Auffangarealen für Flüchtlinge und Vertriebene, welche sie zeitweilig auch mit Displaced Persons teilten. Aus einigen dieser Lager entstanden später Wohnsiedlungen.

Als flexible, rasch zu erbauende und wieder zerlegbare Provisorien waren Nissenhütten und Baracken vielen Vertriebenen eine erste Bleibe, die ab Anfang der 1950er Jahre häufig durch Reihenhäuser ersetzt wurden.

Im Lager folgte der Ersterfassung eine ärztliche Untersuchung. Räumliche Enge, mangelhafte hygienische Verhältnisse, Seuchengefahr und eine schwierige Versorgungslage mit Lebensmitteln, Heizmaterial und Kleidung dominierten den Lageralltag.