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Die Lebensumstände in Durchgangs- und Aufnahmelagern 

Bevor die Flüchtlinge Sammelunterkünfte oder Privatquartiere beziehen konnten, stand die administrative und medizinische Registrierung in Aufnahme- und Durchgangslagern an. Ohne Kontrolle und Erfassung der persönlichen Daten, die amtsärztliche Untersuchung sowie Desinfektion und Entlausung durfte das Lager nicht verlassen werden. Gewicht, körperliche Verfassung und klinische Befunde bestimmten die Einstufung in die Lebensmittelkarten-Kategorien und den Anspruch auf Zulagen, etwa bei Schwangeren und Schwerarbeitern. Auch die Berufsqualifikationen wurden ersterfasst.

Von 1945 bis 1949 lebten die meisten Flüchtlinge in Lagersituationen und in räumlicher Enge. Als besonders bedrückend wurde der Mangel an Privatsphäre empfunden. Als Sichtschutz dienten Laken oder Säcke, Stroh ersetzte häufig Matratzen. Eiserne Bettgestelle wurden als Raumteiler aufgestellt. Besonders die Lautäußerungen von Traumatisierten und Kranken oder das Weinen von Kleinkindern wurden als belastend empfunden. 

Oft bestimmte Hunger den Alltag. Brot, Kartoffeln, Fett und Tee wurden als Tagesrationen zugeteilt und reichten bei weitem nicht, um den täglichen Kalorienbedarf zu decken. In den Wintern 1946 und 1947 war die Hungersnot besonders groß. Nach Schätzungen starben über 200.000 Menschen durch Kälte und Unterernährung.