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Mythos: Angekommen?

Nach den dramatischen Erlebnissen bei der Vertreibung und den Zwangswegen über die Durchgangslager sind die Entwurzelten an den verschiedensten Orten der vier Besatzungszonen zumindest physisch angekommen. Doch das Gefühl, auch mental ?angekommen? zu sein, stellte sich in den ersten Nachkriegsjahren bei den Wenigsten ein. Alliierte Zuzugsverbote in zerstörte Großstädte und deren Umgebung förderten den Eindruck einer repressiven Behandlung. 

Gegenseitige Abneigung zwischen Alt- und Neubürgern entstand anfangs vor allem durch die nicht absehbare Dauer des engen Zusammenlebens und durch Abhängigkeitsverhältnisse. Akuten Zündstoff boten enge Zwangsgemeinschaften aufgrund von mangelndem Wohnraum, der Lebensmittelknappheit und der für viele Vertriebene berufsfremden Arbeit. Vorurteile gegenüber Herkunft, Dialekt sowie kulturellen Eigenheiten der Vertriebenen waren weit verbreitet. 

Nur langsam konnten Konflikte und Ressentiments zwischen Angekommenen und Alteingesessenen, die auch nachfolgende Generationen prägten, aus dem Weg geräumt werden. Staatliche Unterstützung, der gemeinsame Schulbesuch, untereinander geschlossene Ehen und der wirtschaftliche Aufschwung bauten Spannungen langsam ab.