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Das Gebot der Stunde: Organisieren und Improvisieren

Die Grundversorgung von "Neubürgern" und Einheimischen wurde größtenteils über Lebensmittelkarten geregelt. Zusätzlich organisierte sich fast jeder Lebens- und Heizmittel selbst. So sammelte man Beeren, Bucheckern und Brennnesseln und ging "stoppeln", das heißt, man suchte die abgeernteten Felder nach übrig gebliebenen Kartoffeln ab. Aus allen möglichen Getreideresten wurde Ersatzkaffee hergestellt. Glücklich konnten sich diejenigen schätzen, die für Hilfsarbeiten auf dem Land in Naturalien bezahlt wurden. Für viele Alte, Kriegsversehrte, Frauen und Kinder aber blieb Betteln die letzte Möglichkeit.

Die meisten Vertriebenen hatten ihren gesamten Hausrat zurück gelassen. Nun wurden aus ausrangiertem Kriegsmaterial Gebrauchsgegenstände und sogar Spielzeug hergestellt. Der Erfindungsreichtum war groß: Aus Helmen wurden Nachttöpfe oder Siebe, aus Granatstielen Kartoffelstampfer, aus Gasmaskenfiltern Schöpfkellen, aus Geschosshülsen Trinkbecher, aus Flugzeugteilen Zimmeröfen und aus Munitionskisten Spielzeugautos gefertigt. 

Der Mangel an Kleidung und Schuhen machte ebenfalls erfinderisch. Wollreste, die man an Zäunen fand, wurden versponnen, aufgedröseltes Sackleinen zum Häkeln genutzt und aus Bettbezügen Kleider handgenäht. Bei allen Witterungsbedingungen wurde im Freien Wäsche gewaschen und zum Trocknen aufgehängt.