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Chaos und Nächstenliebe

Die chaotischen Verhältnisse bei Kriegsende rissen hunderttausende Familien auseinander. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das Hilfswerk der Evangelischen Kirche und der Caritasverband halfen Millionen von verzweifelten Menschen bei der Suche nach ihren Familienangehörigen. Sie organisierten Suchdienste und richteten eine Vielzahl von Anlaufstellen ein. Vermisste konnten dort von ihren Angehörigen gemeldet werden, woraufhin Flüchtlinge, Vertriebene und heimkehrende Kriegsgefangene gezielt nach den Gesuchten befragt wurden. Bis 1949 konnten die Suchdienste den Verbleib von mehr als sieben Millionen Vermissten klären. Unter den Helfern befanden sich oftmals Vertriebene und Flüchtlinge. Sie wussten am besten, wo die Not am größten war.

Die großen deutschen Hilfsorganisationen, allen voran das DRK und die Hilfswerke der beiden großen Kirchen, schufen zudem eine Vielzahl von Unterstützungsangeboten für die Flüchtlinge und Vertriebenen. Sie appellierten immer wieder an die Nächstenliebe und Spendenbereitschaft der Einheimischen und trugen entscheidend zur Linderung des Flüchtlingselends bei. Auch ausländische Kirchen und Hilfsorganisationen wie die Schwedenhilfe, die "Kirche in Not" des niederländischen Paters Werenfried van Straaten, auch bekannt als "Speckpater", und die Schweizer Spende verteilten in den ersten Nachkriegsjahren Lebensmittel, Sach- und Geldspenden. In den 1950er Jahren wurde diese unmittelbare Nothilfe oftmals von "Hilfen zur Selbsthilfe" abgelöst.