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Unternehmergeist und Existenzgründungen

Obwohl die Ausgangslage denkbar schlecht war, gründeten Vertriebene bereits in den ersten Nachkriegsjahren eigene Unternehmen. Bei vielen dieser neu gegründeten Betriebe handelte es sich um Klein- oder Kleinstfirmen, die oft nur einer Vertriebenenfamilie und ein oder zwei Angestellten ein Auskommen gaben.

Insbesondere in Bayern versuchte man nach Kriegsende gezielt, Betriebe anzusiedeln, um bereits ansässige Industrien zu ergänzen und ländliche Gebiete zu industrialisieren. Große, in der alten Heimat aufgegebene Unternehmen begannen im Westen noch einmal von vorn. Sie beschäftigten meist wieder ehemalige Firmenmitarbeiter, die als Fachkräfte unentbehrlich waren, gaben aber auch mehr und mehr Einheimischen Lohn und Brot. Eine Besonderheit stellte der Neuanfang von Spezialindustrien wie der Gablonzer Glas- und Schmuckindustrie dar, der mit der Gründung neuer Ortschaften einherging.

Die von den Neuankömmlingen gegründeten Unternehmen etablierten in den Westzonen bis dahin nicht ansässige Wirtschaftszweige wie den Textilmaschinenbau oder andere Bereiche der Textil- und Bekleidungsindustrie und trugen entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung bei. Zu den Firmen, die sich nach 1945 erfolgreich in den Westzonen und später in der Bundesrepublik etablieren konnten, gehörte das Textilunternehmen Kunert und der Lebensmittelhersteller Schneekoppe.