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Architekturen der Ansiedlung: Vom Lager zum Eigenheim

Für die meisten Vertriebenen waren Baracken die erste Unterkunft. Die Baracke als Bausatz überzeugte, da sie ortsungebunden, schnell und multifunktional eingesetzt werden konnte. Das machte sie für Auffanglager zum Standardmodell. Viele aus dem Zweiten Weltkrieg vorhandene Baracken wurden weiter genutzt und mit Beton und Ziegeln zu festen Gebäuden um- und ausgebaut.

Durch den Lastenausgleich und das Wohnungsbauförderungsgesetz kam ab 1950 der Siedlungsbau in Schwung. Die ersten, die aktiv Baupolitik betrieben, waren die Stadt- und Gemeindeverwaltungen. Karitative Verbände entwickelten Notgemeinschaften und Genossenschaften für den Haus- und Wohnungsbau, der an den Ortsrändern blühte. Was zählte, war Eigenleistung: Die Tagwerkstunden wurden mit Krediten verrechnet, handwerkliche Fähigkeiten in Bauvereinen gebündelt. Die "Siedler" wurden vom Arbeitsamt für die Aufbauarbeit freigestellt. 

Es entstanden zweigeschossige Einzel- und Doppelhäuser im "klassischen" Siedlungsstil nach Regelgrundrissen mit Satteldächern wie auch moderne Flachdachbauten. Allen gemein war eine einfache Raumaufteilung in Hohlblockstein- und Ziegelsteinbauweise mit maximal 70 Quadratmetern Wohnfläche. Wo der Platz es zuließ, sah die kommunale Siedlungsplanung Häuser mit Kleingärten vor, um gerade in den Anfangsjahren Eigenbewirtschaftung zu fördern. In den Großstädten bevorzugten die Stadtverwaltungen eher den mehrgeschossigen Mietwohnungsbau. Es wurden Wohnungstypen entwickelt, die mit geringem technischem Aufwand, kurzen Vorbereitungszeiten und wirtschaftlich günstig zu erstellen waren.