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Der Erfolg der Vertriebenenstädte

Aus versteckt liegenden Munitionsfabrikgeländen und Zwangsarbeiterlagern wurden nach 1945 Vertriebenensiedlungen, die mit wachsender Infrastruktur zu Gemeinden wuchsen. Die Einwohnerzahl von Geretsried, Neugablonz, Neutraubling, Traunreut und Waldkraiburg in Bayern, Espelkamp in Nordrhein-Westfalen und Trappenkamp in Schleswig-Holstein stieg mit der Ankunft weiterer Flüchtlinge kontinuierlich. Bis auf die Gemeinden Trappenkamp sowie Neugablonz als Stadtteil von Kaufbeuren erhielten alle zwischen 1960 und 1987 das Stadtrecht.

Mangels anfänglichem Grund- und Kapitalvermögen mussten die Gemeinden aus sich selbst heraus den Aufbau versuchen. Die mitgebrachten handwerklichen Fähigkeiten wurden genutzt, um die Produktion von Gütern aus den Herkunftsgebieten wieder aufzunehmen: Textilien, Gablonzer Glasprodukte und Modeschmuck, Blechblasinstrumente und Nahrungsmittel. So setzte man neben den florierenden lokalen Gewerben, dem Einzelhandel und der Gebrauchsgüterindustrie vor allem auf wertschöpfende Exportartikel. Ab Mitte der 1950er Jahre zeichneten sich die Vertriebenenstädte durch ein kontinuierliches wirtschaftliches Wachstum aus. Dazu trug auch die Schaffung von neuen Gewerbe- und Industriegebieten bei. Dort etablierten sich Schlüsselindustrien wie Maschinenbau und Zulieferbetriebe.

Durch den hohen Bevölkerungsanteil von Vertriebenen entwickelte sich in diesen Orten eine eigene Erinnerungskultur und ein Stadtgeschichtsbewusstsein, das die Stadtbilder nachhaltig prägte.