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Kultur- und Religionsaustausch

Die kulturelle und konfessionelle Struktur Deutschlands hat sich nach 1945 durch die Eingliederung von Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen stark verändert. Die Unterbringung erfolgte oft in geschlossenen Gebieten anderer Konfession, so dass in den ersten Jahren eine doppelte Kirchennutzung organisiert werden musste. Bis 1950 wurden durchschnittlich 200 Kirchen pro Bistum von evangelisch-lutherischen und katholischen Gemeinden gemeinsam genutzt. Improvisation war das Gebot der Stunde, um Glaubensangehörige auch in der Diaspora zu erreichen. Sobald die Mittel bereit standen, wurde in neue Kirchenbauten investiert. Neben ihren Hauptaufgaben, der Seelsorge, der karitativen Versorgung und dem Suchdienst, boten die Kirchen vielen einen Halt, eine Art neue ideelle Heimat.

Innerhalb der Konfessionen wurde konfliktreich um die kulturelle und inhaltliche Ausgestaltung des religiösen und des Alltagslebens gestritten. Die zwangsläufige Ökumene der Anfangsjahre blieb dabei nicht ohne Folgen. Eingeschliffene Traditionen und kulturelle Konventionen wurden gerade in ländlichen Gebieten in Frage gestellt. "Mischehen" veränderten das soziale Milieu. Nicht nur Hochzeiten und Begräbnisse, sondern auch die Gestaltung der Feierlichkeiten zu Ostern und Weihnachten oder die Begehung von Wallfahrten erfuhren einen Wandel, und im Laufe der Zeit vermischten sich Bräuche und kulturelle Eigenheiten wie beispielsweise die Festtagsküchen. Stand am Anfang oft der Kulturschock, so führte der Weg am Ende zum Kulturtransfer von Ost nach West, von evangelisch zu katholisch und umgekehrt.