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Der Alltag der Vertriebenen in Westdeutschland

Die wirtschaftliche Integration der meisten Vertriebenen gelang im Verlauf der 1950er Jahre. Um sich heimisch zu fühlen, brauchten Viele jedoch weitaus länger. Auch die nächste Generation erfuhr teilweise noch offene Diskriminierung. Später ging oft ein Riss selbst durch Familien, wenn die Jüngeren die Heimatverbundenheit der Eltern oder Großeltern als unzeitgemäß kritisierten und ihnen mit Unverständnis oder Desinteresse begegneten.

Die Einbindung in Vereine, Parteien oder Kirchengemeinden erleichterte es, sich einzuleben und nicht mehr als Fremde wahrgenommen zu werden. Schützen-, Sport- und Kleingartenvereine verwehrten jedoch teilweise noch bis in die 1960er Jahre Vertriebenen die Mitgliedschaft. Das führte etwa zur Gründung eigener Sportvereine, die sich oft zu angesehenen, offenen Orts- und Stadtteilvereinen entwickelten.

Ob und wie stark die Neuankömmlinge an alten Gepflogenheiten festhielten, war von vielen Faktoren abhängig. Wo eigene Kirchengemeinden und Siedlungen gegründet wurden, entstand meist ein traditionsbewusstes Gemeinschaftsleben. Die Mehrzahl der Vertriebenen musste sich jedoch ohne diesen Rückhalt behaupten. Manche Familie bewahrt noch heute Trachten und Bräuche der alten Heimat. Gerichte und Rezepte, die mit den Eltern und Großeltern in den Westen gelangten, erfahren eine Renaissance. Dinge, die durch Flucht und Vertreibung gerettet wurden, werden von Generation zu Generation weitervererbt.