Home | Kontakt | Impressum

"Umsiedler" in der DDR 

Aufgrund der Umverteilung von Grund und Boden im Zuge der Bodenreform hatten Vertriebene in der DDR wirtschaftlich scheinbar bessere Startbedingungen als im Westen Deutschlands. Sie wurden jedoch nicht als Vertriebene anerkannt und durften sich gesellschaftlich nicht organisieren. Die DDR-Propaganda feierte die Sowjetunion als "Befreier" und die östlichen Nachbarn als "Bruderländer". "Umsiedler" konnten sich daher nicht als durch die Rote Armee, durch Polen oder Tschechen "vertrieben" bezeichnen. Die Vertreibung wurde vielmehr im Kontext "antifaschistischer" Vergangenheitspolitik als gerechtfertigt betrachtet.

In der frühen DDR wurden vor allem in den ländlichen Gebieten Hilfs- und Kreditprogramme bereitgestellt. Mecklenburg-Vorpommern bildete einen Ansiedlungsschwerpunkt von Vertriebenen. Die sozialistische Umsiedlerpolitik fand im Gesetz von 1950, das bis 1953 galt, ihren Höhe- und Schlusspunkt. Danach lautete der offizielle Sprachgebrauch "ehemalige Umsiedler". Die Zwangskollektivierungen und die Bildung von landwirtschaftlichen Genossenschaften um 1960 wurden von vielen "Neusiedlern" als "zweite Vertreibung" empfunden. Ihr Anteil unter jenen, die vor dem Mauerbau nach Westdeutschland oder West-Berlin flüchteten, war daher überdurchschnittlich hoch.

Integration und sozialer Aufstieg waren in der DDR möglich, sofern man sich politisch anpasste. Nach der raschen Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze durch die DDR im Görlitzer Abkommen von 1950 waren Erinnerungen an die alte Heimat von offizieller Seite unerwünscht und auch für die restliche Gesellschaft mit dem Verdacht des Revanchismus belegt. Nach der Wiedervereinigung erhielten die Vertriebenen aus der früheren DDR ab 1995 eine Zuwendung in Höhe von 4.000 DM.