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Recht auf die Heimat

Die Worte Heimatliebe, Heimatland oder Heimaterde umschreiben Heimat als einen Ort der Geborgenheit, ja der Sehnsucht. Gewaltsamer Heimatverlust wirkt traumatisierend nach. Die Massenvertreibungen im 20. Jahrhundert haben "Heimat" zu einem politisch hoch aufgeladenen Thema gemacht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stießen die deutschen Vertriebenen mit ihrer "Charta der deutschen Heimatvertriebenen" vom 5. August 1950 eine Diskussion um ein Menschenrecht auf die Heimat an.

Schon in Art. 13 Abs. 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 heißt es: "Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren". Vertreibungen und zwangsweise Umsiedlungen von Menschen und Volksgruppen sind nach allgemeinem Völkerrecht als völker- und menschenrechtswidrig international anerkannt. Aus dem völkerrechtlichen Vertreibungsverbot und dem Selbstbestimmungsrecht resultiert das Recht auf die Heimat. Die UNO hat in verschiedenen Resolutionen zum Palästina- und Zypernkonflikt unter anderem das Recht, in Sicherheit und Würde in der Heimat zu verbleiben, und das Recht von Flüchtlingen und Vertriebenen, in die Heimat zurückzukehren, formuliert.

 

 

  • José Ayala Lasso

    "Das Recht, aus der angestammten Heimat nicht vertrieben zu werden, ist ein fundamentales Menschenrecht."
    José Ayala Lasso (*1932)
    Grußbotschaft, in: Dieter Blumenwitz: 50 Jahre Flucht, Deportation, Vertreibung. Dokumentation der Gedenkstunde in der Paulskirche zu Frankfurt am Main am 28. Mai 1995, Bonn 1995.
    José Ayala Lasso war der erste UN-Hochkommissar für Menschenrechte (1994-1997).

  • Otto Kimminich

    "Das Recht auf die Heimat ist nicht nur das wichtigste der kollektiven Menschenrechte, sondern schafft auch die Voraussetzung für den Genuß vieler individueller Menschenrechte."
    Otto Kimminich (1932-1997) 
    Das Recht auf die Heimat, Bonn 1989.
    Prof. Dr. jur. Otto Kimminich war Professor für Völkerrecht.

  • Papst Benedikt XVI

    "Heimat hat geographische, kulturelle, geistliche und religiöse Dimensionen. Sie gehört zum Menschen und seiner Geschichte und darf daher niemandem gewaltsam genommen werden. Ideologien, die Vertreibungen fordern oder rechtfertigen, richten sich gegen die Würde des Menschen."
    Papst Benedikt XVI. 
    Grußbotschaft zum Tag der Heimat des Bundes der Vertriebenen, Berlin, 6. August 2005.

  • Marion Gräfin Dönhoff

    "Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß der höchste Grad der Liebe zur Heimat dadurch dokumentiert wird, daß man sich in Haß verrennt gegen diejenigen, die sie in Besitz genommen haben, und daß man jene verleumdet, die einer Versöhnung zustimmen. [...] Vielleicht ist dies der höchste Grad der Liebe: zu lieben, ohne zu besitzen."
    Marion Gräfin Dönhoff (1909-2002) aus Ostpreußen
    Kindheit in Ostpreußen, Berlin 1988.
    Marion Gräfin Dönhoff war Publizistin sowie Chefredakteurin, später Mitherausgeberin der Wochenzeitung DIE ZEIT.

  • Erich Ollenhauer, Willy Brandt, Herbert Wehner

    "Verzicht ist Verrat, wer wollte das bestreiten: 100 Jahre SPD heißt vor allem 100 Jahre Kampf für das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Das Recht auf die Heimat kann man nicht für ein Linsengericht verhökern ? niemals darf hinter dem Rücken der aus ihrer Heimat vertriebenen oder geflüchteten Landsleute Schindluder getrieben werden."
    Erich Ollenhauer, Willy Brandt, Herbert Wehner
    Auszug aus dem Telegramm der SPD zum Deutschlandtreffen der Schlesier 1963 in Köln.

  • Günter Grass

    "Was wir Heimat nennen, ist uns erlebbarer als die bloßen Begriffe Vaterland oder Nation, deshalb haben so viele, gewiß nicht alle, doch mit dem Älterwerden eine wachsende Zahl von Menschen den Wunsch, sozusagen zu Haus unter die Erde zu kommen."
    Günter Grass (*1927) aus Danzig
    Unkenrufe, Göttingen 1992.
    Günter Grass ist deutscher Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger.