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Zitate

"Wenn wieder zu hören war, dass noch einige Flüchtlinge kommen sollten, hieß es: 'Es kommen noch mehr Polacken.' Eigentlich waren wir ja auch Deutsche und kamen aus Deutschland, nur eben aus dem Osten von Deutschland."

Ingetraud Lippmann
in: Zeitzeugen. Mitteilungsblatt der Zeitzeugenbörse Hamburg, 42 (2010)

"Ich war vierzehn Jahre alt, als wir [...] am 26. Mai 1946 in Unterelchingen ankamen. [...] Wir sollten zu einer Frau ohne Kinder ziehen. Als wir jedoch mit sieben Personen anrückten, hat sie uns nicht hereingelassen. Da saßen wir den ganzen Tag ratlos und verzagt auf der Kirchentreppe [...]. Um fünf Uhr kam der Bürgermeister und schickte uns zu einer armen Familie, die bereits Kinder hatte. Sie musste noch enger zusammenrücken und uns ein Zimmer und einen kleinen Schlauch als Küche abtreten. Doch diese Familie war freundlich und hätte ihr letztes Brot mit uns geteilt."

Hilde S. (*1932)
in: Helga Hirsch: Schweres Gepäck. Flucht und Vertreibung als Lebensthema, Hamburg 2004.

"Und wir lebten dann bis Anfang der 50er Jahre in diesem Dorf. Das ist ein kleines Dorf, Eggersdorf-Dondorf, [...] sechs Kilometer von Bayreuth. Das war natürlich alles nicht so einfach, weil, das war ein kleiner Bauer mit vier Kühen und der hatte ein kleines Haus und die mussten uns den oberen Stock abgeben und ungeheuer zusammenrücken. Aber diese Menschen haben uns gut behandelt. [...] Naja, es gab gelegentlich Kämpfe Flüchtlinge gegen Einheimische. Also ich war ja nun ein kleiner Bub und ich ging in die Schule und, eh, irgendwann haben sie mir die Zähne da eingeschlagen im Schwimmbad [...]. Aber, Gott, das war, also, wie es immer war. [...] [Es] gab gar kein Geld und es gab auch keine, keine Spielsachen. Als ich irgendwann im Jahr '46 einen nicht springenden Stoffball bekam, war das ein ungeheures Geschenk."

Peter Glotz (1939-2005) aus dem Sudetenland
in: Zeitzeugenvideo (Mitschrift) für die Bayerische Landesausstellung "Bayern - Böhmen. 1500 Jahre Nachbarschaft" des Hauses der Bayerischen Geschichte, 2007.
Prof. Peter Glotz war sozialdemokratischer Politiker und seit 2000 einer der beiden Vorsitzenden der Stiftung "Zentrum gegen Vertreibungen".

"Ein wichtiger Punkt, eine wichtige Voraussetzung bestand sicherlich auch darin, dass sich keiner von uns der Illusion hingegeben hat, man könnte mal wieder zurückkehren. Wir waren hierher verschlagen worden und wussten, hier müssen wir weiterleben. Da kann man sich nicht ständig als Fremdkörper stilisieren. [...] Und im Übrigen - ich muss mich wiederholen - wir sind froh und wir sind dankbar, dass wir gerade hierher gekommen sind nach Bayern, vom Föhn einmal abgesehen. Es lebt sich gut in Bayern, das haben unsere Leute sehr bald gemerkt und ich glaube, die Bayern haben auch gemerkt, dass sie es nicht nur mit den Habenichtsen zu tun haben, als die wir halt einmal hergekommen sind."

Otfried Preußler (*1923) aus Nordböhmen
in: Zeitzeugenvideo (Mitschrift) für die Bayerische Landesausstellung "Bayern - Böhmen. 1500 Jahre Nachbarschaft" des Hauses der Bayerischen Geschichte, 2007.
Otfried Preußler ist ein bekannter deutscher Kinderbuchautor.

"Bald bekam ich Arbeit in einer Ankerwickelei, zusammen mit einem Mädchen, das ebenfalls aus Pommern stammte. Am ersten Arbeitstag, es war der 10. Oktober 1947, fragte man uns, warum wir denn hergekommen seien, die Leute hier hätten selbst nichts zu essen, wir würden ihnen noch das letzte bißchen wegnehmen. Da liefen uns die Tränen. Wie gern wären wir zu Hause geblieben!"

Gisela Bertl (*1928) aus Pommern
in: Jürgen Kleindienst: Nichts führt zurück. Flucht, Vertreibung, Integration 1945-1955. 29 Zeitzeugen-Erinnerungen, Berlin 2008.

"Ich habe sehr schlechte Erinnerungen an unsere erste Familie, bei der wir eingewiesen waren. Es gab einen abschätzenden Blick und kein freundliches Wort: 'Na ja - wir müssen euch ja aufnehmen.' Sie besaßen einen Bauernhof, hatten also keine Not zu leiden. Auf die Idee, mir als Kind einen Becher Milch abzugeben [...], kamen sie nicht. Es tat weh, wenn wir an dem vollgedeckten Tisch vorbeigehen mußten. Ich habe bis heute noch Haßgefühle in mir, wenn ich daran denke, wie diese Familie mich und meine Mutter behandelt hat. Hier hielten wir es nicht sehr lange aus, wir bemühten uns um eine andere Unterkunft. Zum Glück klappte dies. Wir konnten es nicht fassen, welch ein Unterschied zwischen diesen beiden Familien war. [...] Wir wurden nicht als Menschen zweiter Klasse behandelt."

Helga Eggert aus Pommern
in: Willy Diercks: Flüchtlingsland Schleswig-Holstein. Erlebnisberichte vom Neuanfang, Heide 1997.

"Und da hab' ich gesagt: 'Ja, wir sind hier eingewiesen, wir sollen hierhin kommen.' 'Wir brauchen keine Zigeuner, macht, daß Ihr wegkommt, ich hol' schon meinen Mann vom Feld!' [...] Nun saßen wir da. Es wurde Abend, Nacht [...], und Bauern, die brachten Milch, [...] die hatten Mitleid mit uns."

Frau T. aus Schlesien
in: Klaus J. Bade et al.: Zeitzeugen im Interview. Flüchtlinge und Vertriebene im Raum Osnabrück nach 1945, Osnabrück 1997.

"Obwohl man also immer wieder zu spüren kriegte, Flüchtlinge, also das war also die erste Zeit doch ein sehr bitteres Wort. [...] In der Schule die Kinder und so, die haben da sehr drunter gelitten, Flüchtlinge, das war also ein sehr sehr böses Wort, das ist sehr viel gefallen, die erste Zeit. [...] [Wenn] meine Brüder, die kleenen alle nach Hause kamen und so, oft genug, daß sie geheult haben. 'Heut´ hat der mich verhauen', 'Du doofer Flüchtling' und 'Du Rucksackdeutscher' - das war für die doch schon eine harte Zeit."

Frau F. (*1931) aus Schlesien
in: Klaus J. Bade et al.: Zeitzeugen im Interview. Flüchtlinge und Vertriebene im Raum Osnabrück nach 1945, Osnabrück 1997.

"Der Sohn erschrak. Da standen sie, ärmlich in zu weit gewordene Mäntel gekleidet. Die Mutter verhärmt. Seinen Velourshut hatte der Vater übers Kriegsende hinweggerettet. Die Schwester ohne Zöpfe, kein Kind mehr. [...] Wir umarmten einander unter Wiederholungszwang. Keine oder nur hilflose Wörter. Zuviel und mehr als sich sagen ließ, war im Verlauf einer Zeit geschehen, die ohne Anfang war und keinen Schlusspunkt finden konnte. Manches kam erst viel später, weil zu schrecklich, oder gar nicht zu Wort. Mehrmals erlittene Gewalt hatte die Mutter verstummen lassen. Sie war gealtert, kränkelte bereits. Wenig war von ihrer Heiterkeit und Spottlust geblieben. Und dieses klapprige Männlein sollte mein Vater sein? Er, der sich stets selbstsicher und stattlich um Haltung bemüht gegeben hatte?"

Günter Grass (*1927) aus Danzig
Schilderung der ersten Begegnung mit seinen aus Danzig geflüchteten Eltern nach dem Krieg,
zit. nach: Dokumentation Tag der Heimat 2008, Festakt des Bundes der Vertriebenen in Berlin, 6. September 2008.